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Leistung · Barrierefreiheit mit dem Ziel WCAG 2.2 AA

Barrierefreie Apps

Barrierefreie Apps können alle nutzen: mit Screenreader, nur mit der Tastatur, mit großer Schrift oder ohne Animationen. Wir entwickeln sie für Museen, Hochschulen und Ämter, mit dem Ziel WCAG 2.2 Stufe AA und angelehnt an BITV 2.0 und EN 301 549. Unsere drei Eigenentwicklungen zeigen, wie das aussieht.

Projekt anfragen So prüfen wir

Fadenlauf auf dem Handy: Station „Die Lochkarte“ mit Bild, Fassungswahl und Hörtext Waldzeit auf dem Handy: Startbildschirm mit dem Waldstück als Miniatur-Diorama Wegwarte auf dem Handy: Hinweis melden, Schritt 1 von 5, der Ort kommt von der Karte

01 Begriff

Was ist eine barrierefreie App?

Eine App, an der niemand scheitert, weil er anders sieht, hört oder bedient.

Das Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) sagt es genau: Barrierefrei ist, was Menschen mit Behinderungen „in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar“ ist. Für eine App heißt das: Jede Funktion muss auch dann gehen, wenn jemand nicht sieht, nicht hört, keine Maus benutzt oder Texte langsamer versteht. Im Englischen heißt das Accessibility.

Barrieren sind oft klein: ein Knopf, den nur die Maus erreicht, ein Bild ohne Text, eine Schrift mit zu wenig Farbkontrast, eine Animation, die nicht stillhält. Wer blind ist, nutzt auf dem Smartphone einen Screenreader, VoiceOver auf iPhone und iPad oder TalkBack auf Android. Andere vergrößern die Schrift, steuern per Tastatur oder brauchen Leichte Sprache. Davon haben auch alle etwas, die in der Sonne aufs Display schauen oder nur eine Hand frei haben.

Ob native Android-Apps, plattformübergreifende Apps mit Flutter oder Web-Apps: Die Anforderungen sind dieselben, nur die Werkzeuge unterscheiden sich.

Nicht gemeint: Apps, die barrierefreie Orte zeigen

Wer nach barrierefreien Apps sucht, findet oft Apps wie die Wheelmap, die rollstuhlgerechte Orte auf einer Karte zeigen. Hier geht es um etwas anderes: um Apps, die selbst barrierefrei sind, egal wofür sie da sind.

Und Websites?

Diese Seite handelt von Apps, also von Lernspielen, Mediaguides und Fachanwendungen. Barrierefreie Websites baut unsere Agentur Kopf & Stift, mehr dazu unter barrierefreies Webdesign bei Kopf & Stift.

02 Recht und Norm

BITV 2.0, BFSG und WCAG 2.2: was gilt?

Drei Abkürzungen, ein gemeinsamer Maßstab. Kurz eingeordnet, ohne Rechtsberatung.

BITV 2.0 für öffentliche Stellen

Die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0) gilt für öffentliche Stellen des Bundes, und zwar für Websites und für mobile Anwendungen. Die Länder haben eigene Gesetze, die meist auf dieselben Anforderungen verweisen, in Sachsen etwa das Barrierefreie-Websites-Gesetz. Öffentliche Stellen müssen außerdem eine Erklärung zur Barrierefreiheit veröffentlichen: Was ist noch nicht barrierefrei, wie meldet man eine Barriere, und wo findet man das Schlichtungsverfahren?

EN 301 549 und WCAG

Technisch verweist die BITV 2.0 auf die EN 301 549, den europäischen Standard für barrierefreie Informationstechnik. Diese Norm stützt sich für Websites und Apps auf die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) des W3C. Wir bauen mit dem Ziel WCAG 2.2 AA. WCAG 2.2 baut auf 2.1 auf und bringt auf den Stufen A und AA sechs neue Kriterien mit, etwa eine Mindestgröße für Bedienelemente und Alternativen zu Ziehbewegungen.

BFSG für Unternehmen

Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) gilt seit dem 28. Juni 2025 für Unternehmen, die bestimmte Produkte und Dienstleistungen anbieten, etwa Onlinehandel, Bankdienstleistungen, E-Books oder Dienste im Personenverkehr. Apps, über die solche Dienste laufen, gehören dazu. Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen anbieten, sind ausgenommen. Ob Ihr Angebot darunterfällt, ist eine Rechtsfrage. Die klärt eine Rechtsberatung, nicht wir.

03 Merkmale

Was eine App barrierefrei macht

Sechs Anforderungen aus den WCAG, jeweils mit einem Beispiel aus unseren Apps.

  • Tastatur

    Jede Funktion muss ohne Maus und ohne Touchscreen erreichbar sein, der Fokus immer sichtbar. In Waldzeit geht es sogar im Wald selbst mit den Pfeiltasten von Baum zu Baum, in Wegwarte auf der Karte von Hinweis zu Hinweis.

  • Screenreader

    Bedienelemente brauchen Namen und Rollen, Bilder einen Alternativtext, dekorative Bilder bleiben stumm. Statusmeldungen gehören in Live-Regionen, damit Screenreader sie ansagen können. Waldzeit hat zu jedem Diagramm eine Datentabelle.

  • Kontrast und Farbe

    Schrift und Bedienelemente müssen sich deutlich vom Hintergrund abheben, und keine Information darf allein in der Farbe stecken. In Wegwarte hat der Stand jedes Hinweises ein Symbol und einen Text.

  • Größe und Zoom

    Texte müssen sich vergrößern lassen, Schaltflächen groß genug für den Finger sein: WCAG 2.2 verlangt mindestens 24 × 24 Pixel. In Fadenlauf stellen Besucherinnen und Besucher Schriftgröße und Kontrast selbst ein.

  • Bewegung

    Wer auf dem Gerät „Bewegung reduzieren“ eingeschaltet hat, bekommt eine ruhige Darstellung. Waldzeit hält sich daran, in Fadenlauf lässt sich Bewegung zusätzlich in der App selbst abschalten.

  • Verständlich

    Klare Texte, beschriftete Formulare und Fehlermeldungen, die sagen, was zu tun ist. Fadenlauf gibt es zu jeder Station in Leichter Sprache und als Kinderfassung, Wegwarte erklärt sich auf einer eigenen Seite in Leichter Sprache.

04 Beispiele

Barrierefreiheit in unseren drei Apps

Alle drei sind Web-Apps mit dem Ziel WCAG 2.2 AA und öffentlich erreichbar.

Eigenentwicklungen

  • Zeitreise in Waldzeit: Weg 3 von 4, „Klimawald pflanzen“. Schilder zeigen die Anteile der Baumarten, darunter die Kennzahlen Klima, Vielfalt, Holz und Stabilität und der Zeitregler bis 2100.
    Waldzeit · LernspielAuch der Wald selbst lässt sich mit der Tastatur bedienen, zu jedem Diagramm gibt es eine Tabelle.
  • Mitlesen in Fadenlauf: der Hörtext zur Lochkarte als Text, der gerade gesprochene Satz ist gelb hinterlegt.
    Fadenlauf · MediaguideDer Hörtext läuft als Text mit, der gesprochene Satz ist hervorgehoben.
  • Ein einzelner Hinweis in Wegwarte: eine Beleuchtung an der Bahnhofstraße mit Vorgangsnummer und einem Verlauf mit den Stationen Gemeldet, Veröffentlicht, In Arbeit und Erledigt.
    Wegwarte · WebGISDer Stand jedes Hinweises steht als Symbol und als Wort da, nicht nur als Farbe.
Waldzeit
Ziel WCAG 2.2 AA. Automatischer Test mit axe-core auf allen Bildschirmen ohne Verstöße, komplett per Tastatur bedienbar, Texte für Screenreader, eine Datentabelle zu jedem Diagramm, reduzierte Bewegung.
Fadenlauf
Ziel WCAG 2.2 AA. Automatische Prüfung aller Ansichten ohne Befund, Hörtext zum Mitlesen, Schriftgröße, Kontrast und Bewegung einstellbar, Leichte Sprache, Kinderfassung, Erklärung zur Barrierefreiheit.
Wegwarte
Ziel WCAG 2.2 AA. Karte per Tastatur, alle Hinweise gleichwertig in einer Liste, helles und dunkles Schema, eine Seite in Leichter Sprache, Erklärung zur Barrierefreiheit und BITV-Selbstbewertung. Stadt und Auftrag sind ausgedacht.

Projekt Waldzeit Projekt Fadenlauf Projekt Wegwarte

05 Prüfung

So prüfen wir Barrierefreiheit

Automatisch, wo es geht. Wo ein Skript nicht weiterkommt, schreiben wir das dazu.

Ein Prüfskript ruft jede Ansicht auf und lässt das freie Prüfwerkzeug axe-core laufen, mit den Regeln für WCAG 2.0, 2.1 und 2.2 auf den Stufen A und AA. Bei Fadenlauf und Wegwarte geschieht das im hellen und im dunklen Schema und in mehreren Breiten zwischen 320 und 1366 Pixel. Dazu kommen eigene Tests für die wichtigen Funktionen, für die Tastatur und für reduzierte Bewegung. Für native Android-Apps gibt es eigene Werkzeuge wie den Accessibility Scanner von Google, für Web-Apps ist axe-core verbreitet. Wie unser Prüfplan im Einzelnen aussieht, steht auf der Seite Ablauf.

Automatische Werkzeuge finden aber nicht alles. Ob ein Alternativtext ein Bild treffend beschreibt oder ob ein Ablauf verständlich ist, erkennt kein Skript. Deshalb schreiben wir auf, was geprüft ist und was nicht, statt eine Barrierefreiheit zu behaupten, die niemand nachgewiesen hat.

Die BITV-Selbstbewertung von Wegwarte

Für Wegwarte gibt es eine BITV-Selbstbewertung als Dokument: alle 55 Erfolgskriterien der WCAG 2.2 auf den Stufen A und AA, jedes mit Bewertung und Beleg, angelehnt an BITV 2.0 und EN 301 549. Ergebnis: 30 Kriterien erfüllt, 18 teilweise erfüllt, keines nicht erfüllt, 7 nicht anwendbar, insgesamt „teilweise barrierefrei“. Sie nennt bekannte Einschränkungen und sagt, was nicht geprüft wurde. Eine Prüfung durch eine unabhängige Prüfstelle oder ein Zertifikat ersetzt sie nicht. Ein solches Dokument ist die Grundlage für die Erklärung zur Barrierefreiheit, die öffentliche Stellen veröffentlichen müssen.

Leichte Sprache

Fadenlauf hat zu jeder Station eine Fassung in Leichter Sprache, Wegwarte eine eigene Seite in Leichter Sprache. Eine Prüfgruppe hat beide noch nicht abgenommen, und das steht auch so dabei. Vor einem echten Einsatz gehört diese Abnahme dazu.

06 Fragen

Häufige Fragen

Ihre Frage ist nicht dabei? Schreiben Sie uns

Was ist eine barrierefreie App?

Eine App, die Menschen mit und ohne Behinderung ohne fremde Hilfe nutzen können: mit Screenreader, nur mit der Tastatur, mit vergrößerter Schrift oder mit reduzierter Bewegung. Maßstab sind die WCAG, für öffentliche Stellen in Deutschland die BITV 2.0.

Müssen Apps barrierefrei sein?

Für öffentliche Stellen ja: Websites und mobile Anwendungen fallen unter die BITV 2.0 oder die Gesetze der Länder. Für Unternehmen gilt seit dem 28. Juni 2025 das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz, wenn sie bestimmte Produkte und Dienstleistungen anbieten, etwa im Onlinehandel. Ob Ihr Angebot darunterfällt, klärt im Zweifel eine Rechtsberatung.

Was ist die EN 301 549?

Die europäische Norm für barrierefreie Informations- und Kommunikationstechnik. Die BITV 2.0 verweist auf sie, und sie selbst stützt sich für Websites und Apps auf die WCAG.

Sind Progressive Web Apps eine barrierefreie Alternative zu nativen Apps?

Eine PWA ist nicht von selbst barrierefrei. Sie nutzt aber die Bedienhilfen von Browser und Betriebssystem, also Screenreader, Zoom und Tastatur, und lässt sich mit denselben Werkzeugen prüfen wie eine Website. Unsere drei Eigenentwicklungen sind Web-Apps.

Wie weist man nach, dass eine App barrierefrei ist?

Mit einer Prüfung nach BITV, entweder als Selbstbewertung oder durch eine unabhängige Prüfstelle. Für Wegwarte gibt es eine BITV-Selbstbewertung als Dokument. Eine Prüfstelle hat unsere Eigenentwicklungen nicht geprüft.

Was kostet eine barrierefreie App?

Am wenigsten, wenn Barrierefreiheit von Anfang an dazugehört und nicht nachträglich eingebaut wird. Was sonst die Kosten treibt, erklären wir auf der Seite App entwickeln lassen. Nach dem ersten Gespräch bekommen Sie ein schriftliches Angebot.

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Passt dazu

Kontakt

Ein Projekt im Kopf? Schreiben Sie uns.

Ein Lernspiel für die Ausstellung, ein Guide fürs Museum, eine Fachanwendung fürs Amt: Schreiben Sie uns in ein paar Sätzen, worum es geht, für wen die App gedacht ist und bis wann sie stehen soll. Sie bekommen eine erste Einschätzung und einen Vorschlag für ein Gespräch.

info@kopfundstift.de

Ihr Ansprechpartner: Rafael Luge · Designer und Entwickler · Dresden

Sie brauchen eine Website? Die bauen wir mit unserer Agentur Kopf & Stift.